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Eine Stadt im Wüstensand
Lediglich vier Türme begrenzen die Stadt Medina, um die es in unserem Spiel geht und von der
ansonsten (noch) nicht viel zu sehen ist. Also: Aufbauarbeit ist zu leisten, es darf gebaut werden. So setzen wir – drei oder vier Spieler – immer je zwei Gebäudeteile hinzu, die
stets an bereits bestehende Gebäude der gleichen Farbe angebaut werden. Vier Farben gibt´s, und so wachsen auf unserem Spielplan nach und nach vier verschiedenfarbige Paläste. Die
Bautätigkeit ist zunächst einmal eine gemeinschaftliche Aufgabe, jeder Spieler darf an jedem Palast mitbauen, ganz nach Belieben.
Dies mag harmonisch und kooperativ klingen und vielleicht auch wirken – vorbei damit ist´s
spätestens, wenn einer der Spieler einen Palast mit einem Dach versieht und ihn damit zu seinem Eigentum erklärt: „Danke fürs Mitbauen, aber dieser Palast gehört jetzt mir.“ Nachteil
dabei: der Palast kann nicht mehr vergrößert werden, wenn die Besitzverhältnisse einmal geklärt sind. Dennoch bleiben dem Eigentümer noch Möglichkeiten, seinen Palast durch Schaffung
eines attraktiven Umfeldes (Anbau von Ziegenställen, Vorbeiführung der Marktgasse) aufzuwerten.
Aber, aber, so einfach geht´s dann doch nicht:.unser Vorrat an entsprechenden Steinen ist
natürlich begrenzt, das Spiel noch lange nicht zu Ende und die Konkurrenz schläft nicht und baut mittlerweile schon wieder an neuen Palästen, die größer zu werden drohen als die
eigenen. Schlimmer noch: die Gebäudeteile, die wir selbst noch in der jeweiligen Farbe besitzen, müssen „verbaut“ werden und da immer angebaut wird, bleibt uns nichts anderes übrig,
als zähneknirschend die Paläste der Konkurrenten zu vergrößern. So bleibt unser Spiel von einem ständigen Abwägen geprägt, ob es sich schon lohnt, einen Palast „mitzunehmen“ oder ob
wir besser noch auf eine günstigere Gelegenheit warten.
„Medina“ kommt praktisch ohne Glücksfaktor aus und bietet trotz seiner überschaubaren Regel eine
Fülle taktischer Möglichkeiten, die sich bei wiederholtem Spielen immer mehr erschließen. Das Spiel richtet sich also an Spielertypen, die durchaus eine taktische Herausforderung
suchen, die aber gleichzeitig ihre Freude an einer ruhigen Spielstunde haben, an einem Spiel, das man zur Not auch schweigend spielen kann.
Für den beschriebenen Spielertypen ist „Medina“ ein durchweg gelungenes Spiel. Lediglich die
„Fummelei“ mit kleinen und großen Spielsteinen auf engem Raum, Farbgebung und grafische Gestaltung sind für meinen Geschmack zumindest gewöhnungsbedürftig.
„Medina“ ist ein Spiel aus dem Hans-im Glück-Verlag für 3 – 4 Spieler ab 10 Jahren, dauert ca.
60 Minuten und kostet ca. 60 DM.
Burkhard Labusch
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