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Unterwegs ins Land Mordor
Der
anstehende Kinostart der neuen Tolkien-Verfilmung „Der Herr der Ringe“ hat auf dem Spielemarkt zu einer wahren Welle von verwirrend vielen Neuerscheinungen zu diesem Thema geführt.
Das erste Spiel „Der Herr der Ringe“ stammt von einem der renommiertesten Spieleerfinder Deutschlands, Reiner Knizia. Und dieser hat sich für das große Thema auch etwas ganz
besonderes einfallen lassen.
Bei
Knizias „Herr der Ringe“ handelt es sich um ein kooperatives Gemeinschaftsspiel, bei dem alle gemeinsam gewinnen oder verlieren. „Kooperatives Gemeinschaftsspiel“? Denken sie jetzt
vielleicht, so ein Spiel sei höchstens was für werdende Mütter oder verweichlichte Warmduscher, die nie in ihrem Leben durch das Stahlbad beinharter Monopoly-Schlachten gegangen sind?
Zugegeben: mir ging´s zunächst ähnlich. Aber geben wir dem Spiel eine Chance. Spielen wir.
Die
Gemeinschaft wird gebildet von zwei bis fünf „Hobbits“, die den mächtigen „Ring der Herrschaft“ im Vulkan des Landes Mordor zerstören wollen, damit er nicht in die Hände des bösen
Herrschers Sauron fällt. Dazu müssen vier Abenteuerspielpläne „durchgespielt“ werden, d.h. die Spieler müssen immer wieder eintretenden widrigen Ereignissen begegnen, indem sie
Hobbitkarten ausspielen und notwendige Lebensplättchen sammeln. Gelingt dies, so ist das jeweilige Abenteuer bestanden. Jede Entscheidung, die die Spieler fällen, ist Sache der
Gemeinschaft, so dass intensive Beratungen der Spieler untereinander unbedingt nötig sind. Die Lebensplättchen z.B. müssen am Ende eines Abenteuers gleichmäßig auf die Spieler
verteilt sein, doppelte Plättchen nützen niemandem etwas. Bei den Hobbitkarten gibt es Sonderkarten, die auch für (in Gefahr geratene oder an Karten arme) Mitspieler eingesetzt werden
können – und sollten.
Zusätzlich
zu den vier Abenteuerspielplänen gibt es einen Übersichtsplan, auf dem sich die Hobbits und Sauron auf einer Leiste von 12 Feldern (Anfängerversion: 15 Felder) gegenüberstehen. Durch
fehlende Lebensplättchen der Hobbits oder nachteilige Ereignisse rücken die Hobbits und Sauron im Lauf des Spiels näher aufeinander zu. Verloren ist das Spiel, wenn Sauron den
aktuellen „Ringträger“ der Hobbits auf der Leiste erreicht, gewonnen ist es, wenn zumindest dieser Ringträger das vierte Abenteuer im Land Mordor besteht, ohne von Sauron erreicht zu
werden.
Meine
Erfahrung: das gemeinsame Spiel gegen Sauron erweist sich keineswegs als steril oder langweilig, sondern als spannendes Gemeinschaftserlebnis, das auch manchen Spielemuffel anspricht.
Selten habe ich so eindrucksvoll erlebt, dass eine Gruppe von Spielern wirklich zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt wird. Wir hoffen und zittern miteinander, bitten um Hilfe und
helfen, opfern eigene Lebensplättchen, um die Gemeinschaft zu retten. Schließlich sei noch erwähnt, dass auch in der literarischen Vorlage dieser Gemeinschaftsgeist die größte Waffe
der Hobbits beim Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Sauron ist. Nicht umsonst hat Knizia für seine große Werktreue den Sonderpreis „Literatur im Spiel“ erhalten. Dieser „Herr der
Ringe“ kann neugierig auf das Buch machen und zum Lesen anstiften.
„Der Herr der Ringe“ (
Reiner-Knizia-Version), für 2 – 5 Spieler ab 10, Kosmos-Verlag, 60 – 90 Minuten, cirka 40 €.
Burkhard Labusch
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